Vielfalt in aller Munde!

NABU Westhavelland sorgt mit Saatguterhaltungsprojekt für Vielfalt in den Gärten und auf den Tellern.

Seit 1996 existiert der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen e.V. (VERN) in Greiffenberg bei Angermünde. Mitglieder sind Privatpersonen, Landwirte, Gärtner und Institutionen/Vereine. Der VERN e.V. erhält ca. 2.000 alte Nutzpflanzensorten und hält sie für die Allgemeinheit einfach zugänglich. Er erhält zudem das Wissen über den Anbau, den Umgang und die Nutzung der Kulturpflanzen. Neben der Erhaltungsarbeit betreibt der VERN e.V. auch Öffentlichkeits-, Bildungs-, Beratungs- und politische Arbeit zum Erhalt alter Nutzpflanzen.

Weitere Info's zum VERN e.V. gibt hier:  www.vern-ev.de

 

Auch der NABU Westhavelland trägt seit September 2019 als Projektpartner des VERN e.V. zum Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt bei.

 

Was machen wir?


·       Erfassung von regionalen Bewirtschaftern (Privat, Institutionen, Gewerbe)

·       Kooperation zwischen einzelnen Erzeugern und den Projektteilnehmern herstellen

·       Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit (Informationsmaterial, Vorträge, Veranstaltungen)

·       Organisation von Samen- und Pflanzentauschbörsen 

·       Reaktivierung  vergessenen Wissens zu Eigenschaften, Anbau und Verwendung von Sortenraritäten

·       Gewinnung und Schulung von Multiplikatoren

 

Umsetzung und Ziele

·       Kleingartenverbandsschulungen

·       Zusammenführung von Projektpartnern durch eine Adressdatenbank

·       Gewinnung einzelner lokaler Akteure zur Aussaat in privaten Gärten

·       Organisation von Weiterbildungen im Bereich der Sortenvielfalt in heimischen Gärten 

·       Saatgut- und Pflanzentauschbörsen mehrmals jährlich

·       Teilnahme an Veranstaltungen in der Region des Naturparkes Westhavelland

·       Öffentlichkeitsarbeit mit dem Kolonistenhof Großderschau

·       Vertrieb alter Sorten im Naturparkzentrum in Milow

·       Anzucht von Tomatenpflanzen und deren Tausch auf dem Obstblütenfest auf der Streuobstwiese in Milow

 

 Ansprechpartner:


Herr Hans-Joachim König
Tel.: 03386-211166
email: vern@NABU-Westhavelland.de


Schaugarten des NABU Westhavelland e.V.:

 

Bergstraße in Milow
Öffnungszeiten: Außerhalb der
geplanten Veranstaltungen bitte einen Termin vereinbaren. Danke!

 

Anfahrt zum Schaugarten


Warum Möhre nicht gleich Möhre ist...

Die Sortenvielfalt von Gemüse

Historische Möhrensorten; Quelle: ERNST BENARY, ERFURT (1876)
Historische Möhrensorten; Quelle: ERNST BENARY, ERFURT (1876)

In den verschiedenen Verkaufsstellen des Lebensmitteleinzelhandels scheint heute stets eine große Vielfalt an Obst und Gemüse zur Verfügung zu stehen. Doch das große Angebot und die vermeintliche Vielfalt täuschen lediglich über die voranschreitende Verarmung an unterschiedlichen Sorten von Obst und Gemüse hinweg. Es gibt rund 250.000 bisher bekannte Pflanzenarten, von denen ca. 30.000 Arten für den Menschen genießbar sind. Davon werden weltweit ca. 7000 Arten auf unterschiedliche Weise von Menschen verarbeitet. Trotz des vielfältigen Angebots an potenziellen Nahrungsmitteln, werden weltweit nur rund 150 Arten für die menschliche Ernährung genutzt. Dies entspricht lediglich einem Bruchteil der früher von den Menschen genutzten Nutzpflanzenarten.

Dabei sind Weizen, Reis und Mais die Hauptnahrungsmittel zur Deckung des weltweiten Energiebedarfs der Menschheit.

 

Die Pflanzenzüchtung und Saatguterhaltung lagen seit jeher in der Hand der Bauern und Bäuerinnen weltweit. Doch seit etwa Mitte des 20. Jhd. wurde die Pflanzenzüchtung immer professioneller und große Saatgutproduzenten dominieren mehr und mehr den Markt. Durch Patente und Verfügungsrechte wird der Raum für private Pflanzenzüchtungen im kleinen Rahmen eingeengt.

Sorten, die per Sorten- oder Patentschutz geschützt oder auch als Hybrid-Sorten dem Markt zur Verfügung gestellt werden, sind nicht mehr für jeden frei verfügbar, wie es noch vor wenigen Jahrzenten der Fall war. Strenge Saatgutrichtlinien der EU erschweren kleinen Bauern zusätzlich die Züchtung individueller Sorten, da nur zugelassene Sorten in der EU vermarket werden dürfen. Diese Zulassungen sind aufwändig und kostspielig. Zudem entsprechen viele alte Sorten nicht den entsprechenden Kriterien. Gegen eine Gebühr können Amateur- und Erhaltungssorten zum Verkauf zugelassen werden, wenn sie beim Bundessortenamt gelistet sind.

Sogenannte Amateursorten sind „für den Anbau unter besonderen Bedingungen gezüchtet […] und [besitzen] an sich keinen Wert für den Anbau zu gewerblichen Zwecken“ (Bundessortenamt 2018). Erhaltungssorten sind Sorten, „die traditionell in bestimmten Gebieten (Ursprungsregionen) angebaut werden und die hinsichtlich der Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen bedeutsam sind“ (Bundessortenamt 2018).

 

Doch der weltweite Protest gegen die Privatisierung von Saatgut und die Machtergreifung multinationaler Saatgutkonzerne nimmt zu.

 

Durch die nicht-kommerzielle Verbreitung historischer Gemüsesorten trägt der NABU Westhavelland zum Erhalt der Vielfalt bei und setzt ein Zeichen gegen die Privatisierung von Saatgut.

 

Historisches Saatgut kann gegen eine kleine Spende im Naturparkzentrum in Milow erworben werden. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!