Milow.  Vor sechs Wochen trat die junge Wissenschaftlerin Sophia Dehn ihre bis Ende 2024 dauernde Projektstelle beim NABU RV Westhavelland.V. (NABU) an. Zum Thema "Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung im Westhavelland"  untersucht die Hohennauenerin im parallel bestehenden Sternenpark Westhavelland den Zusammenhang zwischen Straßenbeleuchtung und Artenvielfalt von Insekten.

"Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Untersuchung der Artenvielfalt dämmerungs- und nachtaktiver Insekten wie Falter, Käfer, Hautflügler, aber auch Mücken", erzählt Sophia Dehn. "Insekten werden durch blaues Licht stärker angezogen als von Licht mit stärkerem Rot-Anteil. Insekten, die durch Straßenbeleuchtung angezogen werden, flattern unentwegt um die Laternen und sterben. Damit nimmt die Anzahl und auch die Artenvielfalt von Insekten ab."

In den nächsten zwei Jahren wird Sophia Dehn an Straßenlaternen in Gülpe mittels Insektenfallen die Artenvielfalt ermitteln. "An der TU Berlin werden neue Leuchtmittel für Straßenbeleuchtung entwickelt, die Insekten freundlicher sein sollen", so die Projektkoordinatorin weiter. "Nach den ersten zwei Jahren werden diese im Untersuchungsgebiet eingesetzt und zwei Jahre lang die Insektenwelt mittels Fallen an den Laternen erneut untersucht und die Ergebnisse mit denen der ersten zwei Jahre verglichen."

Das Projekt im Sternenpark/Naturpark Westhavelland ist eines von vier wissenschaftlicher Projekte zur biologischen Artenvielfalt bundesweit. Träger der Arbeit  ist das Bundesamt für Naturschutz, wissenschaftlich begleitet durch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin. Kooperationspartner ist das Amt Rhinow und der Naturpark Westhavelland. Weitere Projekte laufen in Neuglobsow (am Stechlinsee, Oberhavel), im hessischen Fulda sowie in der Stadt Krakow am See in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Hohennauenerin Sophia Dehn absolvierte nach dem Abitur in Potsdam zunächst eine Ausbildung zur veterinärmedizinischen Fachangestellten. Die Tierarzthelferin bildete sich in der Wildtierauffangstation der Landeshauptstadt auf dem Gebiet Haus- und Wildtiere weiter. Im Jahr 2015 startete sie ein Studium für Landschaftsnutzung und Naturschutz in Eberswalde. Nach erfolgreichem Abschluss trat die Bachelor of Science im Sternenpark nun ihre erste berufliche Stelle an.

"Ich bin sehr heimatverbunden. Hier leben meine Familie und Freunde, und ich wollte immer gern in meine Heimat zurück gehen. So bin ich glücklich, dass ich mich für diese Projektstelle erfolgreich bewerben konnte", sagt die 27-Jährige. "Und das Projekt stellt interessante Aufgaben, die mich reizen."

Zur Tätigkeit gehört die Beteiligung der Öffentlichkeit. Dazu werden auch Workshops und Infoveranstaltungen organisiert. Zudem berät die Projektkoordinatorin Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen zum Thema Insekten freundlicherer Außenbeleuchtung. Zusätzlich unterstützt Sophia Dehn die Arbeit der Mitarbeiter im NaturparkZentrum in Milow.

Für Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen gibt es weitere Informationen und Beratung online auf www.tatort-straßenbeleuchung.de, per E-Mail an aube@nabu-westhavelland.de sowie telefonisch unter 0152/37807308.

Simone Weber / 18.03.2020, 08:26 Uhr Brandenburger Wochenblatt WE Ausgabe 21./22.03.2020


AuBe - Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung

 

 Wie die Motten um's Licht...

 

Das Phänomen der anziehenden Wirkung von nächtlicher Beleuchtung auf Nachtfalter, Mücken und viele andere nachtaktive Insekten ist niemandem fremd.

Künstliche Beleuchtung hat vor allem auf die Insekten aus sensiblen Ökosystemen (z.B. in Gewässernähe) einen negativen Einfluss. Jüngste Forschungen zeigen einen starken Rückgang vor allem nachtaktiver Insekten, die über die Hälfte aller weltweit beschriebenen Insektenarten ausmachen. Das Eindämmen der voranschreitenden Lichtverschmutzung ist daher ein wichtiger Aspekt, um das Insektensterben aufzuhalten.

 

Was ist Lichtverschmutzung?

 

Der Begriff "Lichtverschmutzung" bezeichnet künstliches Licht, das die natürliche Nachtlandschaft und den Nachthimmel erhellt. Dabei wird nicht das Licht "verschmutzt", sondern die natürliche Dunkelheit und Sichtbarkeit der Sterne verschlechtert. Wie entsteht Lichtverschmutzung? Zu hohe Lichtmengen, unnötige oder falsch platzierte Beleuchtung und ungünstige Lichtfarben beeinträchtigen die Dunkelheit der Nacht. Dies ist vor allem über Städten, angestrahlten Gebäuden und Industrieanlagen zu beobachten.

 

Folgen der Lichtverschmutzung

 

- Folgen für Menschen: Schlafstörungen, Depressionen, Konzentrationsschwäche, erhöhtes Krebs- und
  Herzinfarktrisiko

- Verschwendung von Ressourcen, Energie und Geld

- Folgen für die Tierwelt: Beeinträchtigung der nachtaktiven Lebensweise, Orientierungslosigkeit, Anlock- und
  Barriereeffekt, Verlust des Schutzes durch Dunkelheit

 

- Folgen für Pflanzenwelt: Wachstumszyklen verändern sich durch permanente Helligkeit und bewirken
  Wachstums- und Frostschäden

 

Das Projekt "AuBe - Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ ist eine gemeinsame Initiative gegen das nächtliche Insektensterben, bestehend aus:

- Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

- Fachgebiet Lichttechnik der TU-Berlin - Partnerstädten bzw.

- Gemeinden: Stadt Fulda, Stadt Krakow am See, Neuglobsow (LK Oberhavel) Gülpe (LK Havelland)

 

Gefördert wird das Projekt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen des Bundesprogramms für Biologische Vielfalt.

 

Ziele

  • Lichtverschmutzung eindämmen
    Lichtverschmutzung stört den natürlichen Tag-NachtRhythmus von Tieren und Pflanzen und schädigt auch nachweislich die menschliche Gesundheit.
  • Beleuchtungsmanagement
    Reduzierung des Anlock- und Barriere-Effekts auf Fluginsekten durch Abschirmung der Leuchten und eine Anpassung der Farbe und Intensität der Leuchtmittel.
  • Handelsempfehlungen
    In entsprechenden Verwaltungsverfahren sollen die Auswirkungen von Beleuchtung auf die biologische Vielfalt zukünftig mehr berücksichtigt werden. Es werden Handlungsempfehlungen bereitgestellt, um bereits im Planungsprozess technische Maßnahmen für eine insektenfreundliche Beleuchtung einbringen zu können.
  • Umweltbildung
    Zur Förderung des Bewusstseins über die negativen Auswirkungen von Beleuchtung auf die Lebensweise von Tieren und Pflanzen erfolgen Workshops, Führungen und Infoveranstaltungen. Das Bestimmen der Insektenproben zu Monitoringszwecken erfolgt gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Werden Sie Schützer der Nacht

 

Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern soll der Effekt von künstlichem Licht auf die heimische Fauna untersucht werden. Der NABU Westhavelland lädt Sie ein, gemeinsam zu untersuchen, welche Insekten von Straßenbeleuchtung beeinträchtigt werden und wie umweltverträgliche Beleuchtungslösungen helfen, den Lebensraum der Insekten zu erhalten.

 

Bei Interesse an Bestimmungsworkshops, Info-Veranstaltungen
oder Fragen und Anregungen zum Thema :

 

Sophia Dehn (Projektkoordinatorin)

NABU Regionalverband Westhavelland

Stremmestraße 10

14715 Milower Land OT Milow

Tel.: +49 (0)152 37807308

 

aube@nabu-westhavelland.de

 

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter

 

www.tatort-strassenbeleuchtung.de

https://biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/artenschutz-durch-umweltvertraegliche-beleuchtung.html