Nicht länger im Dunkeln tappen

Die erste Fangnacht des neuen Projekts für den „Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ wurde erfolgreich durchgeführt und bot erste Einblicke in das nächtliche Insektentreiben im Naturpark Westhavelland.

In der Nacht vom 15. zum 16. April 2020 fand die erste Fangnacht des neuen AuBe-Projekts statt. Zum Schutz der nachtaktiven Insekten findet aktuell ein fortlaufendes Monitoring statt, wofür jeden Monat der Anlockeffekt der nächtlichen Straßenbeleuchtung auf heimische, flugfähige Insekten überprüft wird. Pünktlich zum Sonnenuntergang gegen 20 Uhr wurden die Fallen in der Straße zum Neubau in Gülpe für die Nacht angebracht und Probengefäße für Nachtfänge aktiviert.

Morgens um 6 Uhr wurden dann die Probengefäße an den 6 beprobten Straßenlaternen ausgetauscht, um Tages- und Nachtfänge bei der späteren Analyse der Proben unterscheiden zu können. Am Abend des 16. Aprils wurden abschließend auch die Tagesproben erfasst und die Fallen an den Straßenlaternen wieder inaktiviert.

Nun wurde es spannend. Da niemand genau wusste, wie sich die niedrigen Temperaturen der Nacht auf den Insektenflug auswirken würden, waren Prognosen vorab schwierig. Die Zählung und Bestimmung der Insekten bis zur Gattung bzw. Ordnung erfolgte am heimischen Gartentisch – in Zeiten der Corona-Pandemie muss man eben erfinderisch werden…

 

Für die Bestimmung einzelner, interessanter Falterarten wurde zusätzlich noch ein Experte für Entomologie befragt. Neben mehreren Nachtfaltern befanden sich auch Mücken und andere Zweiflügler, sowie Hautflügler in den Probengefäßen. Der sogenannte „Staubsaugereffekt“ der Straßenlaternen beeinflusst also auch schon im kühlen Frühjahr die heimische Insektenwelt.

 

Die einzelnen Proben werden nun nach dem Etikettieren zur genauen Artbestimmung ins Labor des IGB gesendet, da sich die kleinsten Insektenarten oft nur mit speziellen Mikroskopen und viel Erfahrung bestimmen lassen.

Beim Aktivieren der Fallen in Gülpe zeigten sich viele Anwohner und Besucher interessiert und suchten das Gespräch. Auch der Ortsvorsteher von Gülpe, Herr Wolfgang Radtke, ist auf die Ergebnisse des Insekten-Monitorings gespannt. In Gülpe würde man sich freuen, wenn es eine gute Lösung bezüglich der Verringerung der Lichtverschmutzung für Mensch und Tier geben würde.

 

Die Fangnächte wiederholen sich jetzt bis in den Herbst monatlich zum abnehmenden Vollmond meist in der Monatsmitte. Zum nächsten Aktivieren/Inaktivieren der Fallen am 13. bzw. 14. Mai 2020 können Sie gern zum Sonnenuntergang in die Straße am Neubau in Gülpe kommen, wenn Sie Interesse an der Arbeit im AuBe - Projekt haben. Sie können erfahren, wie die Fallen funktionieren und Anregungen und Fragen mitbringen. Außerdem erreichen Sie die Projektverantwortliche Sophia Dehn auch unter aube@nabu-westhavelland.de.

Demnächst bieten die Koordinator_innen des AuBe-Projekts auch über Facebook, Twitter und Instagram online einen Raum zum Informieren und Austauschen. So soll der Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht werden, auch wenn dieser in diesen Zeiten der Corona-Pandemie nur schwer möglich ist. Für das Westhavelland ist außerdem ein Newsletter geplant, welcher per E-Mail an interessierte Bürgerinnen und Bürger verschickt werden soll. Sollten Sie an diesem Newsletter Interesse haben, kontaktieren Sie mich ebenfalls gern unter aube@nabu-westhavelland.de


Milow.  Vor sechs Wochen trat die junge Wissenschaftlerin Sophia Dehn ihre bis Ende 2024 dauernde Projektstelle beim NABU RV Westhavelland.V. (NABU) an. Zum Thema "Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung im Westhavelland"  untersucht die Hohennauenerin im parallel bestehenden Sternenpark Westhavelland den Zusammenhang zwischen Straßenbeleuchtung und Artenvielfalt von Insekten.

"Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Untersuchung der Artenvielfalt dämmerungs- und nachtaktiver Insekten wie Falter, Käfer, Hautflügler, aber auch Mücken", erzählt Sophia Dehn. "Insekten werden durch blaues Licht stärker angezogen als von Licht mit stärkerem Rot-Anteil. Insekten, die durch Straßenbeleuchtung angezogen werden, flattern unentwegt um die Laternen und sterben. Damit nimmt die Anzahl und auch die Artenvielfalt von Insekten ab."

In den nächsten zwei Jahren wird Sophia Dehn an Straßenlaternen in Gülpe mittels Insektenfallen die Artenvielfalt ermitteln. "An der TU Berlin werden neue Leuchtmittel für Straßenbeleuchtung entwickelt, die Insekten freundlicher sein sollen", so die Projektkoordinatorin weiter. "Nach den ersten zwei Jahren werden diese im Untersuchungsgebiet eingesetzt und zwei Jahre lang die Insektenwelt mittels Fallen an den Laternen erneut untersucht und die Ergebnisse mit denen der ersten zwei Jahre verglichen."

Das Projekt im Sternenpark/Naturpark Westhavelland ist eines von vier wissenschaftlicher Projekte zur biologischen Artenvielfalt bundesweit. Träger der Arbeit  ist das Bundesamt für Naturschutz, wissenschaftlich begleitet durch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin. Kooperationspartner ist das Amt Rhinow und der Naturpark Westhavelland. Weitere Projekte laufen in Neuglobsow (am Stechlinsee, Oberhavel), im hessischen Fulda sowie in der Stadt Krakow am See in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Hohennauenerin Sophia Dehn absolvierte nach dem Abitur in Potsdam zunächst eine Ausbildung zur veterinärmedizinischen Fachangestellten. Die Tierarzthelferin bildete sich in der Wildtierauffangstation der Landeshauptstadt auf dem Gebiet Haus- und Wildtiere weiter. Im Jahr 2015 startete sie ein Studium für Landschaftsnutzung und Naturschutz in Eberswalde. Nach erfolgreichem Abschluss trat die Bachelor of Science im Sternenpark nun ihre erste berufliche Stelle an.

"Ich bin sehr heimatverbunden. Hier leben meine Familie und Freunde, und ich wollte immer gern in meine Heimat zurück gehen. So bin ich glücklich, dass ich mich für diese Projektstelle erfolgreich bewerben konnte", sagt die 27-Jährige. "Und das Projekt stellt interessante Aufgaben, die mich reizen."

Zur Tätigkeit gehört die Beteiligung der Öffentlichkeit. Dazu werden auch Workshops und Infoveranstaltungen organisiert. Zudem berät die Projektkoordinatorin Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen zum Thema Insekten freundlicherer Außenbeleuchtung. Zusätzlich unterstützt Sophia Dehn die Arbeit der Mitarbeiter im NaturparkZentrum in Milow.

Für Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen gibt es weitere Informationen und Beratung online auf www.tatort-straßenbeleuchung.de, per E-Mail an aube@nabu-westhavelland.de sowie telefonisch unter 0152/37807308.

Simone Weber / 18.03.2020, 08:26 Uhr Brandenburger Wochenblatt WE Ausgabe 21./22.03.2020


AuBe - Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung

 

 Wie die Motten um's Licht...

 

Das Phänomen der anziehenden Wirkung von nächtlicher Beleuchtung auf Nachtfalter, Mücken und viele andere nachtaktive Insekten ist niemandem fremd.

Künstliche Beleuchtung hat vor allem auf die Insekten aus sensiblen Ökosystemen (z.B. in Gewässernähe) einen negativen Einfluss. Jüngste Forschungen zeigen einen starken Rückgang vor allem nachtaktiver Insekten, die über die Hälfte aller weltweit beschriebenen Insektenarten ausmachen. Das Eindämmen der voranschreitenden Lichtverschmutzung ist daher ein wichtiger Aspekt, um das Insektensterben aufzuhalten.

 

Was ist Lichtverschmutzung?

 

Der Begriff "Lichtverschmutzung" bezeichnet künstliches Licht, das die natürliche Nachtlandschaft und den Nachthimmel erhellt. Dabei wird nicht das Licht "verschmutzt", sondern die natürliche Dunkelheit und Sichtbarkeit der Sterne verschlechtert. Wie entsteht Lichtverschmutzung? Zu hohe Lichtmengen, unnötige oder falsch platzierte Beleuchtung und ungünstige Lichtfarben beeinträchtigen die Dunkelheit der Nacht. Dies ist vor allem über Städten, angestrahlten Gebäuden und Industrieanlagen zu beobachten.

 

Folgen der Lichtverschmutzung

 

- Folgen für Menschen: Schlafstörungen, Depressionen, Konzentrationsschwäche, erhöhtes Krebs- und
  Herzinfarktrisiko

- Verschwendung von Ressourcen, Energie und Geld

- Folgen für die Tierwelt: Beeinträchtigung der nachtaktiven Lebensweise, Orientierungslosigkeit, Anlock- und
  Barriereeffekt, Verlust des Schutzes durch Dunkelheit

 

- Folgen für Pflanzenwelt: Wachstumszyklen verändern sich durch permanente Helligkeit und bewirken
  Wachstums- und Frostschäden

 

Das Projekt "AuBe - Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ ist eine gemeinsame Initiative gegen das nächtliche Insektensterben, bestehend aus:

- Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

- Fachgebiet Lichttechnik der TU-Berlin - Partnerstädten bzw.

- Gemeinden: Stadt Fulda, Stadt Krakow am See, Neuglobsow (LK Oberhavel) Gülpe (LK Havelland)

 

Gefördert wird das Projekt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen des Bundesprogramms für Biologische Vielfalt.

 

Ziele

  • Lichtverschmutzung eindämmen
    Lichtverschmutzung stört den natürlichen Tag-NachtRhythmus von Tieren und Pflanzen und schädigt auch nachweislich die menschliche Gesundheit.
  • Beleuchtungsmanagement
    Reduzierung des Anlock- und Barriere-Effekts auf Fluginsekten durch Abschirmung der Leuchten und eine Anpassung der Farbe und Intensität der Leuchtmittel.
  • Handelsempfehlungen
    In entsprechenden Verwaltungsverfahren sollen die Auswirkungen von Beleuchtung auf die biologische Vielfalt zukünftig mehr berücksichtigt werden. Es werden Handlungsempfehlungen bereitgestellt, um bereits im Planungsprozess technische Maßnahmen für eine insektenfreundliche Beleuchtung einbringen zu können.
  • Umweltbildung
    Zur Förderung des Bewusstseins über die negativen Auswirkungen von Beleuchtung auf die Lebensweise von Tieren und Pflanzen erfolgen Workshops, Führungen und Infoveranstaltungen. Das Bestimmen der Insektenproben zu Monitoringszwecken erfolgt gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Werden Sie Schützer der Nacht

 

Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern soll der Effekt von künstlichem Licht auf die heimische Fauna untersucht werden. Der NABU Westhavelland lädt Sie ein, gemeinsam zu untersuchen, welche Insekten von Straßenbeleuchtung beeinträchtigt werden und wie umweltverträgliche Beleuchtungslösungen helfen, den Lebensraum der Insekten zu erhalten.

 

Bei Interesse an Bestimmungsworkshops, Info-Veranstaltungen
oder Fragen und Anregungen zum Thema :

 

Sophia Dehn (Projektkoordinatorin)

NABU Regionalverband Westhavelland

Stremmestraße 10

14715 Milower Land OT Milow

Tel.: +49 (0)152 37807308

 

aube@nabu-westhavelland.de

 

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter

 

www.tatort-strassenbeleuchtung.de

https://biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/artenschutz-durch-umweltvertraegliche-beleuchtung.html