Gemeinsames Insekten-Monitoring in Gülpe

Am 05.06.2021 können Sie aktiv am Insektenmonitoring im Sternenpark Westhavelland teilnehmen

Im Projekt Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung (AuBe) untersuchen wir, welche und wie viele Insekten von künstlicher (Straßen) Beleuchtung angezogen werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse dienen dem Schutz der heimischen Insektenwelt und helfen, den negativen Folgen der zunehmenden Lichtverschmutzung aktiv entgegenzuwirken.

Wer selbst an einer Insekten-Bestimmungsübung teilnehmen möchte oder sich einfach nur zur Projektarbeit informieren möchte, kann sich gerne anmelden.

Treff: Straße am Neubau, 14715 Havelaue OT Gülpe

Start: 05.06.2021    20.30 Uhr

Dauer: ca. 1 Stunde

Preis: Spende für NABU-Projektarbeiten

 

 

Verantwortlich:

Sophia Dehn, Projektkoordinatorin AuBe-Projekt

Anmeldung:  NaturparkZentrum Westhavelland, 03386 211227, npz@nabu-westhavelland.de


Weniger Licht – für mehr Insekten: Internationale Dark Sky Week

Vom 5. bis zum 12. April 2021 ist die internationale Woche des dunklen Himmels – Dark Sky Week. Das Event findet immer in der Neumondwoche im April statt, da der Himmel dann dunkel ist und optimale Sichtbedingungen auf den Sternenhimmel herrschen. Forschende und Hobbyastronomen wollen an die Faszination der Nacht erinnern und auf das Thema Lichtverschmutzung aufmerksam machen. Denn zu viel künstliches Licht bei Nacht macht nicht nur die Sterne unsichtbar; es kann Mensch und Tier stören. Forschende vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) untersuchen die Wirkungen von künstlichem Licht auf Insekten im nördlichen und westlichen Brandenburg, südlichen Mecklenburg und in der Stadt Fulda. Bewohner*innen dieser Regionen sind eingeladen an einer Online-Befragung zu ihrer lokalen Lichtsituation teilzunehmen.

 

Mit ihrer Forschung zum Schutz der kleinen Sechsbeiner wollen Dr. Sibylle Schroer und vier Projektkoordinator*innen eins erreichen: „Mehr wohlwollendes Ohhhh, weniger abschätziges Ihhhh“. Die IGB-Forscher*innen koordinieren das Projekt „Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“. Forschende der Ökologie und Lichttechnik untersuchen und erproben gemeinsam mit Bürger*innen in vier Partnerkommunen neue Konzepte, um künstliches Licht bei Nacht auf die Bedürfnisse von Mensch und Tier abzustimmen. Denn an den Lampen verenden Nacht ein Nacht aus Millionen an Insekten.

 

Die Modellgebiete sind das nördliche und westliche Brandenburg, das südliche Mecklenburg und das hessische Fulda. Bewohner*innen dieser Regionen sind eingeladen an einer Online-Befragung zu ihrer lokalen Lichtsituation teilzunehmen. Wenn die Corona-Prävention es zulässt, sind die Bürger*innen auch eingeladen sich an den monatlichen Insektenmonitorings zu beteiligen, die an Ostern beginnen und immer zum abnehmenden Halbmond stattfinden. Die Beteiligten hängen Fallen an Lampen auf und werten die Funde aus. In Form von Workshops werden die Insektenarten bestimmt und gezählt.

 

Nicht nur Nachtfalter – die Hälfte aller Insektenarten ist nachtaktiv

 

Was die Forschenden in den Fallen finden ist weder bunt noch auffällig und daher wenig bekannt: Taubenschwänzchen, Gammaeule oder Schönbär, um nur einige Nachtfalter-Arten zu nennen. „Übersehen sollten wir sie jedoch nicht, denn über 3.300 Falterarten und damit mehr als 95 Prozent der heimischen Schmetterlingsarten zählen zu ihnen. Sie sind wichtige Bestäuber und spielen eine bedeutende Rolle im Nahrungsnetz“, erläutert Johanna Reinhard, Projektkoordinatorin in Neuglobsow/ Brandenburg.

Etwa die Hälfte aller Insektenarten ist nachtaktiv. Sie sind auf Dunkelheit und natürliches Licht von Mond und Sternen angewiesen, um sich zu orientieren und fortzubewegen, oder um Räubern auszuweichen. Und auch, um ihren allnächtlichen Aufgaben wie Nahrungssuche und Fortpflanzung nachzugehen. Eine künstlich erhellte Nacht stört dieses natürliche Verhalten – und mindert die Überlebenschancen.

Vor allem Fluginsekten werden von Lampen, Skybeamern und Leuchtreklame angezogen und sterben dann dort durch Erschöpfung, oder als leichte Beute von Räubern. Die Lichtquellen wirken im Ökosystem wie ein Staubsauger: So zeigte eine vorangegangene Studie des IGB auf einem Versuchsfeld im Westhavelland, dass an erleuchteten Straßenlaternen bis zu 260 Mal so viele Insekten schwirren wie in der dunklen Umgebung. 

 

 

 

 

 

Lichtverschmutzung: eine der Ursachen für das Insektensterben

 

Daher könnte Lichtverschmutzung ein wichtiger Grund für den weltweiten Rückgang der Insekten sein, konstatiert Dr. Gregor Kalinkat vom IGB, der als Ökologe für die entomologische Begleitforschung in AuBe zuständig ist: „Das globale ,Insektensterben‘ in Form von Arten- und Bestandsrückgängen ist eines der drängendsten Probleme in der Biologie und den Umweltwissenschaften mit potenziell weitreichenden Folgen für die Nahrungsmittelproduktion und andere Bereiche, die für uns Menschen eine unmittelbare Bedeutung haben. Wir vermuten, dass künstliches Licht in der Nacht ein Hauptgrund für diesen, vor allem in Deutschland gut dokumentierten Negativtrend ist.“

Leider gibt es bisher fast keine Studien, die den Zusammenhang zwischen Insektensterben und Lichtverschmutzung langfristig, also über mehr als ein bis zwei Jahre hinaus, untersucht haben. Gregor Kalinkat hat gerade mit einem Team aus IGB-Forschenden und Mitgliedern der Dutch Butterfly Conservation eine Studie zu den vorhandenen Daten veröffentlicht. Die Autor*innen haben darin eine Checkliste mit den Eckpunkten erstellt, die in zukünftigen Experimenten berücksichtigt werden sollten.

 

Alle können Lichtverschmutzung mindern

 

Die Forschenden wünschen sich einen sensibleren Umgang mit dem Thema künstliche Beleuchtung bei Nacht. Und hoffen, dass Veranstaltungen wie die Dark Sky Week die Menschen dazu bewegen, über den sinnvollen Einsatz von Beleuchtung in der Nacht nachzudenken. Tipps zum sinnvollen Umgang mit künstlichem Licht im Freien hat das Team in einem Faltblatt zusammengestellt. Einen Hinweis gibt’s schon mit auf den Weg: Nicht benötigtes Licht einfach mal ausschalten. Und bitte bei der Online-Befragung mitmachen!

 

Der Link zur Online-Befragung:

 

https://www.tatort-strassenbeleuchtung.de/mitforschen/online-befragung-licht-in-der-nacht/

 

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Publikation:

Kalinkat, G., Grubisic, M., Jechow, A., van Grunsven, R.H.A., Schroer, S. and Hölker, F. (2021), Assessing long‐term effects of artificial light at night on insects: what is missing and how to get there. Insect Conserv Divers, 14: 260-270. https://doi.org/10.1111/icad.12482

 

 

 

Weitere Informationen:

 

Projekt „Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ >

Ein Handlungsleitfaden zur Neugestaltung und Umrüstung von Außenbeleuchtungsanlagen informiert Akteur*innen in Kommunen >

Faltblatt „Ist es hell, oder schon zu grell?“ >

 

Kontakt:

Dr. Sibylle Schroer

Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

E-Mail: schroer(at)igb-berlin.de

 

Dr. Gregor Kalinkat

Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

E-Mail: kalinkat(at)igb-berlin.de

 

 

Termine 2021 

Unter Einhaltung der Corona-Kontaktregeln werden an den folgenden Terminen Insektenmonitorings* oder entsprechende Online-Übertragungen stattfinden: https://www.tatort-strassenbeleuchtung.de/aktuelles/

Anmeldungen mit der Anzahl der Personen und dem gewünschten Termin bitte an aube@igb-berlin.de.

 

07.04.2021, 15:00 - 15:30 Uhr: Online Vortrag zu ersten Ergebnissen aus dem Projekt „Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“. Anmeldung per Email an aube@igb-berlin.de. Sie bekommen dann einen Zoom-Link zugesendet.

 

09.04.2021, 20:00 - 20:30 Uhr: Online Vortrag (Wiederholung) zu ersten Ergebnissen aus dem Projekt „Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“. Anmeldung per Email an aube@igb-berlin.de. Sie bekommen dann einen Zoom-Link zugesendet.


 

07.05.2021: Online Workshop/Fortbildung für Lehrkräfte – Insektenkunde von "iehh" zu "ohh"!

 

*Insektenmonitoring: Bürger*innen sind beim "Open Air Sampling" zum Zuschauen, Erkundigen oder Mitmachen eingeladen. Die Beprobung läuft so ab, dass das Team am ersten Tag zum Sonnenuntergang die verschiedenen Fallen an den Versuchsstandorten aktiviert, am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang entleert und neu aktiviert und dann wieder zum Sonnenuntergang entleert. Die Termine sind so gelegt, dass jeden Monat zum abnehmenden Halbmond beprobt wird.

 

 

Voraussetzungen: Anmeldung per Email an aube@igb-berlin.de, da die Anzahl der Personen begrenzt ist; wetterfeste Kleidung und eine Gesichtsmaske.


Künstliches Licht in der Nacht

Was bedeutet das für unser Wohlbefinden?

Der NABU RV Westhavelland untersucht in einem mehrjährigen Forschungsprojekt "Artenschutz durch Umweltverträgliche Beleuchtung", welche Zusammenhänge es zwischen nächtlicher Dunkelheit oder Helligkeit und dem Verhalten von Mensch und Natur gibt. Die Modellgebiete sind neben Gülpe im Sternenpark Westhavelland auch Neuglobsow im nördlichen Brandenburg, Krakow im südlichen Mecklenburg und das hessische Fulda.

Wir laden die Bewohner*innen dieser Regionen ein, an einer Online-Befragung teilzunehmen:

Mehr Information gibt es hier: https://www.tatort-strassenbeleuchtung.de/mitforschen/online-befragung-licht-in-der-nacht/

Die vollständig anonyme Online-Befragung ist ab dem 18. März bis zum 12. April 2021 freigeschaltet. Die Teilnahme dauert insgesamt etwa 10 Minuten.

Wenden Sie sich bei Fragen oder Anregungen an die Projektkoordinatorin Sophia Dehn unter aube@nabu-westhavelland.de oder unter 015237807308.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


Werden Sie zum Schützer der Nacht!

AuBe-Projekt sucht ab sofort Freiwillige zur Unterstützung des Insektenmonitorings im Westhavelland

Weltweit nimmt die nächtliche Himmelshelligkeit jährlich um zwei bis sechs Prozent zu, mit unabsehbaren Konsequenzen für Ökosysteme. Straßenbeleuchtung hat einen nicht unbedeutenden Anteil daran, aber auch die private Beleuchtung wie Werbeschilder, Garten- und Balkonbeleuchtung nimmt rasant zu. Künstliches Licht aber kann nachtaktive Fluginsekten stark beeinträchtigen. Welche Insekten besonders betroffen sind und welche Art von Beleuchtungsdesign weniger negative Auswirkungen zeigt, wird im Rahmen des Projektes in den Städten Krakow am See (Mecklenburg-Vorpommern) und Fulda (Hessen), sowie in Neuglobsow (Brandenburg) und auch bei uns vor der Haustür in Gülpe im Sternenpark Westhavelland untersucht.

Wichtig dabei sind die Datenerhebungen durch Freiwillige, die sich als Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler an dem Projekt beteiligen möchten. Ohne diese Unterstützung kann weder die Masse der Insekten bestimmt, noch die Auswirkung der Beleuchtung auf den Nachthimmel kontinuierlich gemessen werden. Mitmach-Aktionen und Umweltbildungsangebote sind für das kommende Jahr geplant.

 

Alle Termine werden auf der Website des AuBe-Projektes (www.tatort-strassenbeleuchtung.de) bekannt gegeben. Folgende Mit-Mach-Aktionen bietet unser Projekt an:

·       Mithilfe während des monatlichen Insekten-Monitorings beim Aufstellen und Entleeren der Fallen.

·       Workshops für die Bestimmung der gefangenen Insekten, in welchen erlernt werden kann, wie die Insekten in Ordnungen gruppiert werden und welche ökologischen Funktionen sie erfüllen.

·       Messungen der Nachthimmelshelligkeit. Interessierte aus ganz Deutschland können Beobachtungen über die Sichtbarkeit der Sterne anhand der App „Verlust der Nacht“ messen. Im Rahmen des Projektes werden gezielt Messveranstaltungen durchgeführt werden, um die Auswirkungen des neuen Straßenbeleuchtungsdesigns lokal zu untersuchen.

 

Außerdem sucht das AuBe-Projekt Expertinnen und Experten, die einzelne Insektenordnungen, z.B. Nachtfalter oder Eintagsfliegen, bis auf Artniveau bestimmen können. Anwohnerinnen und Anwohner werden gebeten, durch Installation von Photometern auf ihren Grundstücken die nächtliche Himmelshelligkeit dauerhaft zu messen und diese Daten dem Netzwerk beizusteuern. Die Anwohnerschaft der Straßenabschnitte, in denen das Insektenmonitoring stattfindet, kann das Projekt unterstützen, indem sie einmal pro Monat eine kleine Stellfläche für Lichtfallen auf ihren Grundstücken zur Verfügung stellen.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich gern für weitere Info’s und jederzeit für Bestimmungsübungen oder Infoveranstaltungen per E-Mail oder telefonisch melden:

 

Sophia Dehn
Projektkoordinatorin Westhavelland im Verbundprojekt
„Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ (AuBe)

 

Tel: 0152 37807308
aube@nabu-westhavelland.de 


Letztes Insektenmonitoring für diese Saison mit tatkräftiger Unterstützung abgeschlossen

Große und kleine Helfer und Helferinnen unterstützen Projektkoordinatorin Sophia Dehn am 04.10.2020 zum letzten Insektenmonitoring für dieses Jahr in Gülpe.


Was krabbelt denn da?

"Who the bug"-Workshop der NAJU hilft den Insekten auf die Spur zu kommen

Das „Who the bug“- Projekt der NAJU Geschäftsstelle beschäftigt sich mit der Artenvielfalt und dem Schutz von kleinen Krabbeltieren – im Englischen auch „bugs“ genannt. Das Projekt richtet an interessierte Mitglieder, sowie Leiter und Leiterinnen von NAJU-Gruppen in ganz Deutschland, die sich beim Thema Insekten und Insektenschutz auch ab und an fragen…“Who the bug????“

 

Unterstützt durch das BfN mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit werden Workshops, Online-Webinare und eine großen Sommerakademie angeboten, um NAJU- und NABU-Mitgliedern Hilfestellungen zur Wissensvermittlung, Insektenbestimmung und anderen spannenden Themen rund um die kleinen Sechsbeiner zu ermöglichen.  

 

Am 16.05.2020 startete das erstes Online - Webinar, wobei auch das AuBe- Projekt des NABU Westhavellands vorgestellt wurde. Sophia Dehn, die Projektkoordinatorin für das Westhavelland,  erklärte den rund 40 Webinar-Teilnehmenden, warum das Thema Lichtverschmutzung  so eng mit dem zunehmenden Insektenschwund zusammenhängt, wie sich Insekten durch umweltverträgliche Beleuchtung schützen lassen und welche Möglichkeiten es gibt, selbst aktiv die Nacht zu schützen.

Während des Seminars wurden verschiedene Bestimmungsapps wie z.B. die NABU Insektenwelt – App erklärt, mit der Jeder zum angehenden Detektiv der Insektenwelt werden kann. Außerdem gab es kurze Vorträge, wie man Kindern und Jugendlichen anschaulich Wissen zum Thema Insekten und deren Schutz vermitteln kann.

 

Angehenden Insektenforschern sowie ausgesprochenen Profis kann außerdem die aktuelle Mitmach-Aktion „Insektensommer“ des NABU Deutschlands empfohlen werden, bei der alle Insekten gemeldet werden, die man innerhalb einer Stunde im Garten oder auf dem Balkon entdecken konnte. Ähnlich wie bei der beliebten „Stunde der Gartenvögel“ können dadurch wichtige Einblicke in die Arten und Anzahlen der Insekten in Deutschland erlangt werden.

 

Teilnehmen und dadurch aktiv zum Insektenschutz beitragen kann man unter folgender Adresse: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/insektensommer/mitmachen/24466.html 

 

 


Nicht länger im Dunkeln tappen

Die erste Fangnacht des neuen Projekts für den „Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ wurde erfolgreich durchgeführt und bot erste Einblicke in das nächtliche Insektentreiben im Naturpark Westhavelland.

In der Nacht vom 15. zum 16. April 2020 fand die erste Fangnacht des neuen AuBe-Projekts statt. Zum Schutz der nachtaktiven Insekten findet aktuell ein fortlaufendes Monitoring statt, wofür jeden Monat der Anlockeffekt der nächtlichen Straßenbeleuchtung auf heimische, flugfähige Insekten überprüft wird. Pünktlich zum Sonnenuntergang gegen 20 Uhr wurden die Fallen in der Straße zum Neubau in Gülpe für die Nacht angebracht und Probengefäße für Nachtfänge aktiviert.

Morgens um 6 Uhr wurden dann die Probengefäße an den 6 beprobten Straßenlaternen ausgetauscht, um Tages- und Nachtfänge bei der späteren Analyse der Proben unterscheiden zu können. Am Abend des 16. Aprils wurden abschließend auch die Tagesproben erfasst und die Fallen an den Straßenlaternen wieder inaktiviert.

Nun wurde es spannend. Da niemand genau wusste, wie sich die niedrigen Temperaturen der Nacht auf den Insektenflug auswirken würden, waren Prognosen vorab schwierig. Die Zählung und Bestimmung der Insekten bis zur Gattung bzw. Ordnung erfolgte am heimischen Gartentisch – in Zeiten der Corona-Pandemie muss man eben erfinderisch werden…

 

Für die Bestimmung einzelner, interessanter Falterarten wurde zusätzlich noch ein Experte für Entomologie befragt. Neben mehreren Nachtfaltern befanden sich auch Mücken und andere Zweiflügler, sowie Hautflügler in den Probengefäßen. Der sogenannte „Staubsaugereffekt“ der Straßenlaternen beeinflusst also auch schon im kühlen Frühjahr die heimische Insektenwelt.

 

Die einzelnen Proben werden nun nach dem Etikettieren zur genauen Artbestimmung ins Labor des IGB gesendet, da sich die kleinsten Insektenarten oft nur mit speziellen Mikroskopen und viel Erfahrung bestimmen lassen.

Beim Aktivieren der Fallen in Gülpe zeigten sich viele Anwohner und Besucher interessiert und suchten das Gespräch. Auch der Ortsvorsteher von Gülpe, Herr Wolfgang Radtke, ist auf die Ergebnisse des Insekten-Monitorings gespannt. In Gülpe würde man sich freuen, wenn es eine gute Lösung bezüglich der Verringerung der Lichtverschmutzung für Mensch und Tier geben würde.

 

Die Fangnächte wiederholen sich jetzt bis in den Herbst monatlich zum abnehmenden Vollmond meist in der Monatsmitte. Zum nächsten Aktivieren/Inaktivieren der Fallen am 13. bzw. 14. Mai 2020 können Sie gern zum Sonnenuntergang in die Straße am Neubau in Gülpe kommen, wenn Sie Interesse an der Arbeit im AuBe - Projekt haben. Sie können erfahren, wie die Fallen funktionieren und Anregungen und Fragen mitbringen. Außerdem erreichen Sie die Projektverantwortliche Sophia Dehn auch unter aube@nabu-westhavelland.de.

Demnächst bieten die Koordinator_innen des AuBe-Projekts auch über Facebook, Twitter und Instagram online einen Raum zum Informieren und Austauschen. So soll der Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht werden, auch wenn dieser in diesen Zeiten der Corona-Pandemie nur schwer möglich ist. Für das Westhavelland ist außerdem ein Newsletter geplant, welcher per E-Mail an interessierte Bürgerinnen und Bürger verschickt werden soll. Sollten Sie an diesem Newsletter Interesse haben, kontaktieren Sie mich ebenfalls gern unter aube@nabu-westhavelland.de


Milow.  Vor sechs Wochen trat die junge Wissenschaftlerin Sophia Dehn ihre bis Ende 2024 dauernde Projektstelle beim NABU RV Westhavelland.V. (NABU) an. Zum Thema "Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung im Westhavelland"  untersucht die Hohennauenerin im parallel bestehenden Sternenpark Westhavelland den Zusammenhang zwischen Straßenbeleuchtung und Artenvielfalt von Insekten.

"Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Untersuchung der Artenvielfalt dämmerungs- und nachtaktiver Insekten wie Falter, Käfer, Hautflügler, aber auch Mücken", erzählt Sophia Dehn. "Insekten werden durch blaues Licht stärker angezogen als von Licht mit stärkerem Rot-Anteil. Insekten, die durch Straßenbeleuchtung angezogen werden, flattern unentwegt um die Laternen und sterben. Damit nimmt die Anzahl und auch die Artenvielfalt von Insekten ab."

In den nächsten zwei Jahren wird Sophia Dehn an Straßenlaternen in Gülpe mittels Insektenfallen die Artenvielfalt ermitteln. "An der TU Berlin werden neue Leuchtmittel für Straßenbeleuchtung entwickelt, die Insekten freundlicher sein sollen", so die Projektkoordinatorin weiter. "Nach den ersten zwei Jahren werden diese im Untersuchungsgebiet eingesetzt und zwei Jahre lang die Insektenwelt mittels Fallen an den Laternen erneut untersucht und die Ergebnisse mit denen der ersten zwei Jahre verglichen."

Das Projekt im Sternenpark/Naturpark Westhavelland ist eines von vier wissenschaftlicher Projekte zur biologischen Artenvielfalt bundesweit. Träger der Arbeit  ist das Bundesamt für Naturschutz, wissenschaftlich begleitet durch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin. Kooperationspartner ist das Amt Rhinow und der Naturpark Westhavelland. Weitere Projekte laufen in Neuglobsow (am Stechlinsee, Oberhavel), im hessischen Fulda sowie in der Stadt Krakow am See in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Hohennauenerin Sophia Dehn absolvierte nach dem Abitur in Potsdam zunächst eine Ausbildung zur veterinärmedizinischen Fachangestellten. Die Tierarzthelferin bildete sich in der Wildtierauffangstation der Landeshauptstadt auf dem Gebiet Haus- und Wildtiere weiter. Im Jahr 2015 startete sie ein Studium für Landschaftsnutzung und Naturschutz in Eberswalde. Nach erfolgreichem Abschluss trat die Bachelor of Science im Sternenpark nun ihre erste berufliche Stelle an.

"Ich bin sehr heimatverbunden. Hier leben meine Familie und Freunde, und ich wollte immer gern in meine Heimat zurück gehen. So bin ich glücklich, dass ich mich für diese Projektstelle erfolgreich bewerben konnte", sagt die 27-Jährige. "Und das Projekt stellt interessante Aufgaben, die mich reizen."

Zur Tätigkeit gehört die Beteiligung der Öffentlichkeit. Dazu werden auch Workshops und Infoveranstaltungen organisiert. Zudem berät die Projektkoordinatorin Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen zum Thema Insekten freundlicherer Außenbeleuchtung. Zusätzlich unterstützt Sophia Dehn die Arbeit der Mitarbeiter im NaturparkZentrum in Milow.

Für Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen gibt es weitere Informationen und Beratung online auf www.tatort-straßenbeleuchung.de, per E-Mail an aube@nabu-westhavelland.de sowie telefonisch unter 0152/37807308.

Simone Weber / 18.03.2020, 08:26 Uhr Brandenburger Wochenblatt WE Ausgabe 21./22.03.2020


AuBe - Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung

 

 Wie die Motten um's Licht...

 

Das Phänomen der anziehenden Wirkung von nächtlicher Beleuchtung auf Nachtfalter, Mücken und viele andere nachtaktive Insekten ist niemandem fremd.

Künstliche Beleuchtung hat vor allem auf die Insekten aus sensiblen Ökosystemen (z.B. in Gewässernähe) einen negativen Einfluss. Jüngste Forschungen zeigen einen starken Rückgang vor allem nachtaktiver Insekten, die über die Hälfte aller weltweit beschriebenen Insektenarten ausmachen. Das Eindämmen der voranschreitenden Lichtverschmutzung ist daher ein wichtiger Aspekt, um das Insektensterben aufzuhalten.

 

Was ist Lichtverschmutzung?

 

Der Begriff "Lichtverschmutzung" bezeichnet künstliches Licht, das die natürliche Nachtlandschaft und den Nachthimmel erhellt. Dabei wird nicht das Licht "verschmutzt", sondern die natürliche Dunkelheit und Sichtbarkeit der Sterne verschlechtert. Wie entsteht Lichtverschmutzung? Zu hohe Lichtmengen, unnötige oder falsch platzierte Beleuchtung und ungünstige Lichtfarben beeinträchtigen die Dunkelheit der Nacht. Dies ist vor allem über Städten, angestrahlten Gebäuden und Industrieanlagen zu beobachten.

 

Folgen der Lichtverschmutzung

 

- Folgen für Menschen: Schlafstörungen, Depressionen, Konzentrationsschwäche, erhöhtes Krebs- und
  Herzinfarktrisiko

- Verschwendung von Ressourcen, Energie und Geld

- Folgen für die Tierwelt: Beeinträchtigung der nachtaktiven Lebensweise, Orientierungslosigkeit, Anlock- und
  Barriereeffekt, Verlust des Schutzes durch Dunkelheit

 

- Folgen für Pflanzenwelt: Wachstumszyklen verändern sich durch permanente Helligkeit und bewirken
  Wachstums- und Frostschäden

 

Das Projekt "AuBe - Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ ist eine gemeinsame Initiative gegen das nächtliche Insektensterben, bestehend aus:

- Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

- Fachgebiet Lichttechnik der TU-Berlin - Partnerstädten bzw.

- Gemeinden: Stadt Fulda, Stadt Krakow am See, Neuglobsow (LK Oberhavel) Gülpe (LK Havelland)

 

Gefördert wird das Projekt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen des Bundesprogramms für Biologische Vielfalt.

 

Ziele

  • Lichtverschmutzung eindämmen
    Lichtverschmutzung stört den natürlichen Tag-NachtRhythmus von Tieren und Pflanzen und schädigt auch nachweislich die menschliche Gesundheit.
  • Beleuchtungsmanagement
    Reduzierung des Anlock- und Barriere-Effekts auf Fluginsekten durch Abschirmung der Leuchten und eine Anpassung der Farbe und Intensität der Leuchtmittel.
  • Handelsempfehlungen
    In entsprechenden Verwaltungsverfahren sollen die Auswirkungen von Beleuchtung auf die biologische Vielfalt zukünftig mehr berücksichtigt werden. Es werden Handlungsempfehlungen bereitgestellt, um bereits im Planungsprozess technische Maßnahmen für eine insektenfreundliche Beleuchtung einbringen zu können.
  • Umweltbildung
    Zur Förderung des Bewusstseins über die negativen Auswirkungen von Beleuchtung auf die Lebensweise von Tieren und Pflanzen erfolgen Workshops, Führungen und Infoveranstaltungen. Das Bestimmen der Insektenproben zu Monitoringszwecken erfolgt gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Werden Sie Schützer der Nacht

 

Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern soll der Effekt von künstlichem Licht auf die heimische Fauna untersucht werden. Der NABU Westhavelland lädt Sie ein, gemeinsam zu untersuchen, welche Insekten von Straßenbeleuchtung beeinträchtigt werden und wie umweltverträgliche Beleuchtungslösungen helfen, den Lebensraum der Insekten zu erhalten.

 

Bei Interesse an Bestimmungsworkshops, Info-Veranstaltungen
oder Fragen und Anregungen zum Thema :

 

Sophia Dehn (Projektkoordinatorin)

NABU Regionalverband Westhavelland

Stremmestraße 10

14715 Milower Land OT Milow

Tel.: +49 (0)152 37807308

 

aube@nabu-westhavelland.de

 

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter

 

www.tatort-strassenbeleuchtung.de

https://biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/artenschutz-durch-umweltvertraegliche-beleuchtung.html