Entomologie

Bestimmung der verschiedenen Insektenarten

Detlef Eichstädt beim Lichtfang von Insekten
Detlef Eichstädt beim Lichtfang von Insekten

 

Einführung in die Entomologie

 

Die Entomologie oder Insektenkunde ist ein Teilgebiet in der Zoologie. Insekten bilden die artenreichste Gruppe der Lebewesen. Dazu gehören z.B. Bienen, Hummeln, Zweiflügler, Käfer, Schmetterlinge, Ameisen, Libellen, Heuschrecken und Wanzen. Trotz der inzwischen intensiv in allen Weltregionen betriebenen Forschung ist noch nicht einmal die Erfassung der Arten einigermaßen abgeschlossen. Den derzeit 1,5 bis 1,75 Million bekannten Arten steht eine geschätzte Gesamtzahl von mehreren Millionen gegenüber.

 

Soweit eine kurze Einführung in die Thematik. In Europa, Deutschland oder Brandenburg steht die Beschreibung neuer Arten nicht im Vordergrund. Bei uns geht es in erster Linie um den dauerhaften Erhalt und Schutz der vorhandenen Arten. Dazu werden unter anderem Kartierungen in ausgewählten Biotopen oder Schutzgebieten durchgeführt, da vom Verlust der Lebensräume die größte Gefährdung der Arten ausgeht. Insekten reagieren schnell auf Veränderungen der Landschaft. Deshalb ist die Anzahl der Insektenarten, die auf einem Gebiet nachgewiesen werden,  ein guter Indikator für die naturschutzfachliche Qualität des Gebietes und gegebenenfalls eine sich daraus ergebende  Schutzwürdigkeit . Für diese Untersuchungen konzentriert man sich aus verschiedenen Gründen nur auf spezielle Insektengruppen, die besonders empfindlich auf Veränderungen der Umwelt reagieren. Dazu gehören unter anderem die Schmetterlinge, Käfer, Libellen oder Heuschrecken.

 

 

Admiral; Fam. Ritterfalter
Admiral; Fam. Ritterfalter
Schwalbenschwanz; Fam. Ritterfalter
Schwalbenschwanz; Fam. Ritterfalter

 

Zum Fang von Insekten werden unterschiedliche Methoden angewandt. Aktive Fangmethoden sind z.B. der Fang der Insekten mit einem Käscher, wo die Tiere aus der Luft oder von Blüten mit dem Kescher eingefangen werden. Neben dem „Suchen“ an der Vegetation, am Boden unter Steinen oder vermoderten Holzresten gehört auch das sogenannte „Klopfen“ zu den aktiven Methoden. Dabei wird unter herabhängenden Zweigen ein Tuch gehalten, auf den Zweig mehrmals kurz und heftig geklopft. Alle auf den Zweig vorhandenen Insekten lassen sich fallen und können im Tuch gut ausgewertet bzw. gezählt werden. Eine sehr ergiebige Methode zum Nachweis ist der Lichtfang. Dabei nutzt man die Eigenart vieler Arten aus, das sie nachts von einer starken Lichtquelle scheinbar magisch angezogen werden (siehe Foto). Diese Methode ist sehr effektiv, man kann eine Vielzahl von Arten nachweisen und sich sehr schnell einen guten Überblick über das im Biotop vorhandene Artenspektrum verschaffen. Eine spezielle Methode ist das „Ködern“. Hier werden  Bäume mit einem Ködermittel (vergorende Früchte u.a. duftende, süße Mischungen) bestrischen, wo sich dann verschiedenen Insektenarten einfinden, um an diesem Köder zu saugen. Mit der heute verfügbaren sehr guten digitalen Fototechnik wird die Fotografie zur Dokumentation und Bestimmung von Insekten immer wichtiger. Damit können andere aufwendige Methoden durchaus ergänzt werden.  

  

Neben diesen aktiven Methoden Insekten nachzuweisen gibt es auch noch passive Fangmethoden. Das sind in der Regel Vorrichtungen, wo sich die Insekten von allein hinein begeben. Dazu gehören z.B. im Boden vergrabende Gefäße (Bodenfallen). Da diese Methode nicht sehr selektiv ist,  sollte dies nur bei Absicherung einer intensiven Kontrolle angewandt werden. Eine noch nicht sehr lang verfügbare und sehr spezielle passive Methode ist der Nachweis mit Duftfallen. Dabei werden vor allem die männlichen Tiere einer Art mit den arteigenen chemisch hergestellten Sexuallockstoffen (Pheromonen) angelockt. Diese Methode kommt ursprünglich aus dem gewerblichen Obst- und Gartenbau. Dort geht es um die Überwachung und gegebenenfalls Bekämpfung ausgewählter Arten. Sie ist aber auch auf andere, sonst schwer nachweisbare Arten anwendbar.

 

Noch ein paar Worte zur Literatur. Es gibt zahlreiche Bücher, für Einsteiger aber auch für Spezialisten. Zusätzlich können spezielle Museen mit Ihrem Bibliotheken und Sammlungen genutzt werden. Immer wichtiger und mit wesentlich weniger Aufwand verbunden sind heute die verschiedenen Angebote über das Internet. Die dort vorhandenen Dateien und Foren zur Bestimmung der Arten sind nicht mehr aus der täglichen Arbeit wegzudenken(unter anderem: www.lepiforum.de/ ; www.kerbtier.de/).

 

Die Arbeitsgruppe im NABU Regionalverband „Westhavelland“ existiert seit 1991. Zur Zeit besteht die Gruppe aus drei Aktiven. Hauptbearbeitungsgebiete sind bei allen die Schmetterlinge. Ein Kollege beschäftigt sich zusätzlich noch mit den Käfern. Engen Kontakt gibt es zu der in Brandenburg aktiven Fachgruppe Entomologie. Dort werden monatlich öffentliche Vorträge angeboten an dem sich auch die Rathenower Entomologen beteiligen (siehe Jahresplan 2013).

Schwerpunkte in der Arbeit der NABU- Gruppe bilden die jährlich Unterstützung der Sommerexkursion der Jugendgruppe und die Begleitung der Tagesexkursion zum Tag der Artenvielfalt. Ansonsten arbeitet jeder sowohl örtlich als auch zeitlich nach seinen individuellen Möglichkeiten.

Über die Geschäftsstelle kann der Kontakt zu den Einzelpersonen hergestellt werden. Dort können auch gefundene Insekten abgegeben oder bemerkenswerte Beobachtungen gemeldet  werden. Vor zwei Jahren wurde bei einer Entrümpelung eines Grundstückes  mehrere Insektenkästen geborgen. Diese Unterlagen können durchaus sehr interessant sein. In diesem Fall handelte es sich um Insekten, die vor ca. 50 Jahren alle im Westhavelland gesammelt wurden. Ein Vergleich ergab, dass dort Arten enthalten waren, die wir heute nicht mehr zu unserem Artenbestand zählen. Es ist ein wertvolles Zeitdokument sowohl hinsichtlich der regionalen entomologischen Arbeit als auch hinsichtlich der Bestandsveränderungen in unserer Region.

 

Wir suchen ständig Mitstreiter. Es ist ein sehr interessantes, spannendes aber auch sehr zeitaufwendiges Hobby. Man muss die Natur lieben, verbringt viel bei der Erfassung der Arten, wird aber teilweise mit unvergesslichen Erlebnissen belohnt. Naturschutzfachlich ist diese ehrenamtliche Tätigkeit gar nicht hoch genug einzuschätzen. Nur mit Hilfe der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter können z.B. die Naturschutzbehörden umfassend tätig werden. 

Also – die Geschäftsstelle wartet !

 

Detlef Eichstädt