Neuer Stern am Reisehimmel – Naturpark Westhavelland ist erster deutscher Sternenpark

Die Milchstraße und die Sternbilder des Winterhimmels über dem Naturpark Westhavelland (Bild: Andreas Hänel)
Die Milchstraße und die Sternbilder des Winterhimmels über dem Naturpark Westhavelland (Bild: Andreas Hänel)

Potsdam – Brandenburgs Naturpark Westhavelland ist der erste deutsche Sternenpark. Damit wird die Region um einen deutschlandweit einzigartigen touristischen Anziehungspunkt reicher. „Es gibt in Mitteleuropa nun noch sehr wenige Orte, an denen man eine natürliche Nacht mit all ihren vielen tausend Sternen erleben kann“, sagte Tack.

 

Die neue Sternendestination liegt im westlichen Brandenburg zwischen der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt und Friesack bzw. Brandenburg a. d. Havel. Sie umfasst den gesamten Naturpark mit seinen 1.315 Quadratkilometern. Besonders gute Beobachtungsmöglichkeiten gibt es in der ca. 40 Quadratkilometer großen Kernzone zwischen Gülpe und Nennhausen. Trotz der relativen Nähe zur Metropole Berlin sind aufgrund der dünnen Besiedlung die Nächte im Westhavelland so dunkel, dass die Milchstraße mit ihren einzelnen, abertausenden Sternen als plastisches Gebilde erlebt werden kann.

 

Hobbyastronomen treten deshalb schon seit langem weite Reisen an, um das zu erleben, was noch vor wenigen Jahren Allgemeingut war.

 

Aber nicht nur für Spezialisten soll das Westhavelland nun verstärkt ins Blickfeld fallen. “Das Erlebnis eines unverfälschten Sternenhimmels ist auch ohne Technik und für jedermann tief beeindruckend und nicht ersetzbar durch Fotos oder Projektionen“, so die Naturparkchefin Kordula Isermann, die sich durch die Anerkennung weitere naturinteressierte Besucherinnen und Besucher erhofft.

 

„Der vernünftige Umgang mit künstlichem Licht ist nicht nur aus ökonomischen, sondern auch aus gesundheitlichen, ökologischen und touristischen Gründen sinnvoll“, sagte Tack. Gleichzeitig zeigte sie Verständnis für Ängste und Bedenken, die im Vorfeld der Bewerbung vor Ort bestanden. „Die Bedenken konnten ausgeräumt werden. Die Anerkennung als Sternenpark ist der Erfolg vieler Akteure“, sagte sie. Isermann ergänzte: „Es ist seitens des Naturparks und der IDA nicht gewollt, den Menschen der Region das Licht auszuknipsen, sondern eine bedarfsgerechte Steuerung und Verteilung zu gewährleisten.“ Dem sei mit der neuen Beleuchtungsrichtlinie entsprochen worden.

 

„Die Anerkennung als Sternenpark freut uns sehr, es ist für uns Anerkennung und Auftrag zugleich“, so Jens Aasmann, Direktor des Amtes Rhinow, in dem ein großer Teil der Kernzone liegt. Die überwiegende Mehrzahl der 10 Kommunen des größten brandenburgischen Naturparks hat sich zur Umsetzung der neuen Beleuchtungsrichtlinie bekannt. Diese beinhaltet, dass die Kommunen künftig nur noch voll abgeschirmte Leuchten mit warmweißen Leuchtmitteln installieren. Darüber hinaus sollen die Bürgerinnen und Bürger über das Thema Lichtverschmutzung und seine ökonomischen und gesundheitlichen Folgen informiert werden.

 

Dr. Andreas Hänel von der Vereinigung deutscher Sternenfreunde gehört zu den Initiatoren des Sternenparks. Er hat von Anfang an an den Erfolg geglaubt und als Mitglied der Fachgruppe Dark Sky Impulse gesetzt. „Es geht nicht nur um das Erleben eines dunklen Sternhimmels, sondern auch um den Schutz nachtaktiver Tiere und Energieeinsparung durch sinnvoll eingesetzte künstliche Beleuchtung“, sagte er.

 

Weltweit gibt es inzwischen 24, in Europa nur 8 Sternenparks.

 

Quelle: MUGV

Überreichung der Urkunde für den ersten deutschen Sternenpark durch Umweltministerin Anita Tack (© Alrun Kaune-Nüßlein, MUGV)
Überreichung der Urkunde für den ersten deutschen Sternenpark durch Umweltministerin Anita Tack (© Alrun Kaune-Nüßlein, MUGV)

Fakten zum Sternenpark

 

Naturpark Westhavelland

 

Etwa 70 Kilometer westlich von Berlin und größtenteils im Landkreis Havelland gelegen, ist der 1998 gegründete Naturpark Westhavelland mit einer Fläche von 1.315 Quadratkilometern das größte Schutzgebiet in Brandenburg. Es umfasst außerdem das größte zusammenhängende Feuchtgebiet des europäischen Binnenlandes. Zentrum des Naturparks ist die Kreisstadt Rathenow.

 

Der Naturpark zählt zu den dunkelsten Orten in Deutschland, vergleichbar mit Namibia. Neben der Milchstraße können Sternengucker auch den sogenannten Airglow beobachten, ein schwaches Leuchten höherer Atmosphärenschichten, das heutzutage überlicherweise durch künstliches Streulicht überstahlt wird.

 

Lichtverschmutzung

 

Des Nachts ist es nur selten so dunkel, wie es die Natur vorsieht. Künstliche Lichtquellen hellen den Nachthimmel auf. Besonders in Metropolen und Ballungsräumen sprechen Wissenschaftler von Lichtsmog als eine Form der Umweltverschmutzung.

 

Für Mensch, Tier- und Pflanzenwelt kann das negative Folgen haben. So verlieren nachtaktive Insekten und Zugvögel unter Kunstlicht die Orientierung. Laubbäume, die in der Nähe von Straßenlaternen stehen, tragen stärkere Frostschäden davon, weil sie ihre Blätter verspätet verlieren. Für den Mensch sind Einflüsse auf den Hormonhaushalt nachgewiesen, was sich nachteilig auf den Schlaf-Wach-Rhythmus und den Menstrationszyklus der Frau auswirkt.

 

International Dark-Sky Association

 

1988 schlossen sich Astronomen in den USA zusammen, um die wachsende Lichtverschmutzung zu bekämpfen. Die International Dark-Sky Association (IDA) forscht und informiert weltweit zu Lichtsmog und dessen Konsquenzen. 2007 ernannte die IDA das Natural Bridges National Monument im US-Bundesstaat Utah zum ersten „International Dark Sky Park“. Der Himmel dort gilt als einer der dunkelsten und reinsten im ganzen Land.

 

Zusätzlich unterscheidet die IDA in „International Dark Sky Reserve“ (vergeben seit 2008) und „International Dark Sky Community“ (seit 2001). Letztere bezeichnet Kommunen mit besonderem Engagement zur Erhaltung des Nachthimmels, etwa durch eine hochwertige Beleuchtung, eine entsprechende Informationspolitik und Bürgerbeteiligung.

 

Hierzulande arbeitet die IDA mit Dark Sky Deutschland zusammen, die aus der Fachgruppe „Dark Sky“ der Vereinigung der Sternfreunde gebildet wurde.

 

Internet: lichtverschmutzung.de

 

 Quelle: Märkische Allgemeine

 


Westhavelland Nature Park Named The First International Dark Sky Reserve in Germany

 

Westhavelland Nature Park Named The First International Dark Sky Reserve in Germany

TUCSON, AZ, AND POTSDAM, GERMANY, 12 February 2014 – Millions of Berliners who seek a respite from bright city lights now have an option close to home. The International Dark Sky Association (IDA) announced today it has named Westhavelland Nature Park the world’s newest International Dark Sky Reserve. In Germany, the Reserve will be known as “Sternenpark Westhavelland.”

“IDA applauds the work that has been done to protect the night skies over Westhavelland, which now has the darkest skies in all of Germany,” said IDA Executive Director Bob Parks.

Dr. Andreas Hänel, director of the planetarium at the Museum Am Schölerberg in nearby Osna- brück, led the effort to secure the IDA designation. “I hope that this designation will be a motiva- tion for the communities in the Nature Park and many more in the country to install sustainable, environmentally friendly lighting in the future to protect the night and the starry sky,” Hänel said.

Westhavelland Nature Park is the largest protected area in the German Federal State of Branden- burg and comprises the largest contiguous wetland of any individual European country. The Na- ture Park is situated only 45 miles (70 km) west of Berlin, the most populous city in Germany, yet its sparse population and protected status put the experience of a dark night sky within easy reach of nearly six million people in the Berlin-Brandenburg Metropolitan Region. The new Dark Sky Reserve consists of a mix of 290 square miles (750 square kilometers) of public and private land within the Nature Park.

Finding Dark Skies Near Big City Lights

Westhavelland Nature Park’s proximity to Berlin makes it a popular destination for tourists and Berliners alike to enjoy the Park’s natural resources. However, the price of that convenience is outdoor lighting that both enables nighttime activities and brightens the night sky with light pol- lution.

Westhavelland is closer to a major population center than any other of IDA’s International Dark Sky Reserves, making its achievement of Reserve status all the more significant. According to Dr. Hänel, the designation of the Nature Park as an International Dark Sky Reserve “shows that even a densely populated country like Germany still offers nightscapes that are comparable to much more remote areas.”

Efforts leading to today’s announcement began a full five years ago and required securing coop- eration from dozens of municipalities within the Nature Park. Each participating community agreed to bring its lighting into compliance with a comprehensive Lightscape Management Plan drawn from best practices promoted by IDA. Now more than 90 percent of the Nature Park resi- dents live in areas with good outdoor lighting policies.

 

“The park administration is working closely with the communities on this ongoing process to help raise public awareness of the necessity of the dark night environment and recommend how to reduce light pollution,” Hänel said.

The idea of a “Dunkel Deutschland” (“dark Germany”) has an ironic double meaning in the for- mer German Democratic Republic. Years of underdevelopment in the Communist era convinced some residents that modern, bright outdoor lighting is an indication of progress and modernity. This thinking poses a problem for advocates of dark night skies.

“Even though the communities in the Nature Park struggle with implementation challenges, they join us in the vision that dark nights are precious and worthy of protection,” said Park Superin- tendent Kordula Isermann. “That is especially significant because it takes guts to stand up for a dark night sky in Eastern Germany.”

An Ongoing Commitment

Westhavelland has developed an extensive education, public outreach, and communications pro- gram including the annual WestHavelländer AstroTreff star party, dark-skies interpretive pro- gramming, the 2013 European Day of Parks event, the “Kunst und Kultur” (“Art and Culture”) outreach program, and partnering with private enterprise to develop astrotourism. In addition, the Nature Park received the generous gift of a Celestron C8 telescope from the late Arnold Zenkert, longtime director of the Potsdam planetarium. The telescope, dedicated to public viewing of the night sky, will be formally presented to the Nature Park at a ceremony on Wednesday, 12 Febru- ary.

Today’s award is due in part to the individual commitment of many individuals, including Kor- dula Isermann and Claudia Hesse of Westhavelland Nature Park; Jens Aasmann and A. Thiel- icke, administrators of the Westhavelland communities of Rhinow and Nennhausen, respective- ly; René Riep, CEO of Naturschutzbund Deutschland Westhavelland; Jordis and Ingolf Hammer of Kreativ-Oase, Gülpe; and Harald Bardenhagen with Astronomie-Werkstatt in Cologne.

About the IDA Dark Sky Places Program

IDA established the International Dark Sky Places conservation program in 2001 to recognize excellent stewardship of the night sky. Designations are based on stringent outdoor lighting standards and innovative community outreach. Since the program began, six communities, thir- teen parks and eight reserves have received International Dark Sky designations. For more in- formation about the International Dark Sky Places Program, visit http://darksky.org/night-sky- conservation/dark-sky-places.

About IDA

The International Dark Sky Association, a 501(c)(3) non-profit organization based in Tucson, Arizona, advocates for the protection of the nighttime environment and dark night skies by edu- cating policymakers and the public on the subject of night sky conservation and by promoting environmentally responsible outdoor lighting. More information about IDA and its mission may be found at http://www.darksky.org.

 

The Milky Way and winter constellations over Westhavelland Nature Park. (Credit: Andreas Hänel)

http://bit.ly/1fU372B

Media Inquiries

International Dark-Sky Association

• Dr. John Barentine (Dark Sky Places Program Manager) john@darksky.org; +1 520 293 3198

Westhavelland Nature Park

• Dr. Andreas Hänel (Museum Am Schölerberg) ahaenel@uos.de; +49 0541 5600326

 

 Quelle: darksky.org